Parkstrom: „Investitionen in Ladeinfrastruktur werden ausgebremst“

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  • By dpache

Ein Elektroauto unterwegs so einfach zu laden wie einen Verbrenner an der Tankstelle aufzutanken – das wäre was! Leider sind wir davon noch ein gutes Stück entfernt. Aber es tut sich etwas: Einen großen Schritt zu diesem Ziel macht Parkstrom. Der Berliner Ladedienstleister bietet das Direct Payment-Verfahren Giro-e an, mit dem Emobilisten an der Ladesäule einfach mit einer kontaktlosen Girokarte bezahlen können – wir haben darüber berichtet, das neue System wurde heiß in unserer Kommentarspalte diskutiert. Und dennoch scheint man von Seiten Parkstrom mit der Ladeoffensive nicht gänzlich einverstanden. Doch dies hat andere Gründe.

Die Bundesregierung hat die Ladesäulenverordnung überarbeitet. Erklärtes Ziel der Änderungen ist es u. a., die Voraussetzungen für „Aufbau und Betrieb einer bedarfsgerechten, nutzerfreundlichen und interoperablen Ladeinfrastruktur mit einheitlichem Bezahlsystem“ zu schaffen. So soll möglichst überall spontanes Laden ermöglicht werden. Die Änderung hat jedoch viel Widerspruch aus der Energie- und Elektromobilitätsbranche erfahren. Neben dem BDEW und anderen Verbänden hat auch der Ladedienstleister Parkstrom den nun verpflichtenden Einbau von Kartenterminals öffentlich kritisiert. Wir haben Parkstrom-Geschäftsführer Stefan Pagenkopf-Martin gefragt, warum.

Ab Juli 2023 müssen Ladestationen mit einem gängigen Debit- oder Kreditkartensystem ausgestattet sein, um spontanes, vertragsfreies Laden zu ermöglichen. Das klingt doch erst mal gut, oder?

Ja, das klingt gut, ist es aber leider nicht. Ich spreche mich ganz klar für die Möglichkeit einer Kartenzahlung aus. Der eingeschlagene Weg ist aus Praxissicht jedoch nicht der richtige. Wenn die Verordnung umgesetzt werden soll, muss ein analoges Kartenterminal in die Ladestation integriert werden. Das ist nur mit Aufwand umsetzbar, denn die Ladesysteme müssen nun wieder Baumusterprüfungen durchlaufen, die Mess- und Eichrechtskonformität des Gesamtsystems muss gewährleistet und das Gehäuse neu aufgebaut werden, um neuen Platz im Gerät zu schaffen, etc. Das sind kostspielige und zeitaufwendige Prozesse, die den Ladeinfrastruktur-Ausbau eher hemmen als fördern.

Außerdem handelt es sich bei analogen Kartenterminals um ein Auslaufmodell. In einigen Jahren wird das veraltete Technologie sein, die kaum noch jemand nutzt. Eine eich- und messrechtskonforme spontane Kartenzahlung kann viel einfacher, kostengünstiger und besser mit digitalen Lösungen gewährleistet werden, die es für Ladepunkte schon längst gibt.

Sie spielen auf Direktbezahlsysteme an, wie z.B. Giro-e oder Kreditkarten an?

Ganz genau. Es gibt bereits ausgereifte Direktbezahlsysteme, wie das von der GLS-Bank entwickelte Giro-e, die Authentifizierung und Bezahlung mit einer kontaktlosen Girokarte ermöglichen. In Deutschland sind mittlerweile rund 75 Millionen dieser Karten im Umlauf, Tendenz steigend. Wir arbeiten seit Jahren mit Giro-e, es funktioniert ausgezeichnet. Noch im letzten Entwurf zur Überarbeitung der Ladesäulenverordnung waren drei Optionen für die Umsetzung spontanen Zahlens mit einem gängigen Kreditkartensystem aufgeführt.

Es ist aus unserer Sicht absolut unverständlich, warum die beiden Alternativen – kontaktlos mittels Karte oder mobilem Endgerät sowie browserbasiert über eine kostenlose mobile Webseite – nun aus der Verordnung zur Änderung der Ladesäulenverordnung gestrichen wurden. Meines Erachtens liegt das auch daran, dass Experten aus der Praxis zu wenig in gesetzgebende Prozesse eingebunden werden.

Welche Bereiche werden von den Änderungen betroffen sein?

Auf das private Laden zu Hause wird die Änderung keinen Einfluss haben. Die Ladesäulenverordnung bezieht sich auf öffentlich zugängliche Ladeinfrastruktur. Da aber die Vergabe von Fördermitteln oftmals ebenfalls an die Ladesäulenverordnung gebunden ist, hat sie auch einen wesentlichen Einfluss auf den zukünftigen Aufbau von Ladeinfrastruktur im halböffentlichen Raum, wie auf Parkplätzen von Hotels oder Einzelhandel. Der Aufbau von Ladeinfrastruktur wird sich durch diese Maßnahme verteuern und damit auch deren Nutzung.

Wir gehen davon aus, dass dadurch viele geplante Investitionen nun zurückgestellt werden, sich der Ausbau verlangsamt. Nach meinem Kenntnisstand ist Deutschland das einzige Land in der EU, das ohne Not diesen Weg einschlägt und teure, fast schon jetzt antiquierte Technik zum Standard machen will. Die Änderung der Ladesäulenverordnung wäre eine große Chance gewesen, bereits funktionierende Direktbezahl-Alternativen zu stärken und so die Elektromobilität in diesem Land voranzubringen. Diese Chance hat die Politik leider vertan.

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